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Frauen scheuen den Wettbewerb

10. November 2009

Geschwisterbeziehungen sind im Idealfall geprägt von fairem Miteinander, wo jeder den anderen respektiert – trotz unterschiedlicher Persönlichkeit. Voraussetzung hierfür ist ein offenes und gleichberechtigtes Elternhaus, wo jedes Kind nach seinen Neigungen gefördert wird. Wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, kann es zu Reibereien und Auseinandersetzungen kommen, die häufig bis ins Erwachsenenleben reichen und viele negative Folgen – auch im Berufsleben – nach sich ziehen können.

Eine wichtige Voraussetzung für Erfolg im Beruf ist heute sicherlich Durchsetzungsvermögen und sich auf den Wettbewerb mit Anderen einzulassen. Wenn dieses Verhalten bereits in der Kindheit gefördert wurde und sich innerlich implantiert hat, wird es für den Berufstätigen als ein Selbstverständnis empfunden, sich für seine Karriere einzusetzen.

Leider erleben wir es heute aber immer noch häufig, daß Männer in gleichen Positionen besser bezahlt werden als Frauen und das hat seinen Ursprung darin begründet, dass Männer auf die Berufswelt besser vorbereitet werden. Von ihnen wird Ehrgeiz und Erfolg im Beruf erwartet und damit erlangt er Status und Anerkennung in unserer Gesellschaft. Auch wenn es Veränderungen hinsichtlich der Arbeitsteilung zwischen den Paaren gibt, sind es doch immer noch Minderheiten und bezweifelt werden kann auch, ob es sich nur um freiwillige Eingeständnisse der Männer handelt oder als Kompromiss zugunsten der Ehefrau, die auch ihr Recht auf Arbeit einfordert.

Viele Frauen scheuen immer noch den Wettbewerb mit ihren Kollegen oder Kolleginnen und sind allzu häufig bereit, sich bei einer Beförderung hinten anzustellen, aber auch bei Männern gibt es gravierende Unterschiede; nicht jeder strebt kompromisslos seine Ziele an; somit ist es nicht nur Frauensache.

Woran also liegt es, daß sich manche Menschen mehr für ihre Ziele einsetzen als andere?

Unabhängig von der Berufsausbildung scheint bei vielen Erfolgreichen eines ganz sicher: sie sind zielstrebig und setzen sich dafür auch ein. Sie wollen aussergewöhnliches erreichen und geben sich nicht mit Mittelmass zufrieden. Ein wichtiges Kriterium für ihre Hartnäckigkeit ist die emotionale Unterstützung der Eltern in der Kindheit. Solche Kinder haben es von klein auf an gelernt, sich das zu holen, was sie möchten und ihre Eltern haben sie dabei unterstützt und begleitet. Kinder mit fehlendem Rückhalt sind dagegen eher weniger fordernd und mit geringerem Selbstbewusstsein, was die Karrierechancen im Beruf deutlich mindert.

„Marion und Robert sind Geschwister und schon in der Kindheit spürte Robert seine besondere Stellung bei den Eltern. Er bekam Aufmerksamkeit – alles drehte sich um ihn – und er genoss es. Er war der kleine Prinz und er bemerkte auch schnell, welch geringe Bedeutung seine Schwester Marion hatte; er konnte sie sogar beleidigen und verletzen ohne größere Konsequenzen. Was der Vater konnte, nahm er sich auch schnell heraus und so konnte er im Laufe der Jahre sein Verhalten perfektionieren. Die Folge war eine Schwester, die sich immer mehr zurückzog, bis sie kaum noch sprach, weil sie schon lange aufgegeben hatte. Wie auch hätte sie sich ohne die Unterstützung der Eltern wehren können? Bis zu einem gewissen Alter sind Kinder von ihren Eltern abhängig und müssen darauf vertrauen, dass ihre Eltern es gut mit ihnen meinen.
Im späteren Berufsleben setzte sich dieses Verhalten fort. Während Robert wie selbstverständlich seine Ziele verfolgte, wurde aus Marion eine angepasste, pflichtbewusste und fleissige Mitarbeiterin, die aber nie ihren wirklichen Wert erkannte und immer bescheiden im Hintergrund blieb. Sie hatte in dem Wettbewerb mit ihrem Bruder als Kind keine Möglichkeit bekommen, ihre Talente zu entwickeln und gab sich mit dem zufrieden, was das Leben ihr anbot, während Robert das Selbstbewusstsein mit auf den Weg bekam, sich ausprobieren und Fehler machen zu dürfen.“

Auch wenn heute viele Eltern keine Unterschiede mehr in der Berufsförderung zwischen den Geschlechtern machen, ist es keine Seltenheit, dass Lieblingskinder mehr unterstützt und gefördert werden als die anderen Geschwister und das hat einen erheblichen Einfluß auf die Entwicklung im späteren Leben.

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