Michael Jackson
Michael Jackson – der King of Pop – ist am 25. Juni 2009 im Alter von nur 50 Jahren in Los Angeles an Herzversagen gestorben.
Ich war für einen Kurzurlaub auf Mallorca und las die Nachricht in einer Zeitung meines Nachbarn auf der Liege am Pool. Es war ein riesengroßer Bericht; mein Interesse war geweckt und nachdem ich immer wieder einen heimlichen Blick in die Zeitung erhaschte, war sie mir für später gewiss und ich studierte jede noch so kleinste Nachricht über ihn. Auch die nächsten Tage verfolgte ich jeden Fernsehbericht und da ich mir zwei Tage später Bänderdehnungen an beiden Füßen zuzog, wurde mein Lieblingsplatz vor dem Fernseher.
Aber auch zuhause angekommen verlor ich nicht das Interesse, sondern wurde glühender Verehrer und das obwohl ich vorher niemals ein Michael Jackson Fan gewesen bin. Ich kannte kaum einen Song von ihm, hatte so gut wie keine Videos von ihm gesehen und bin eher zufälligerweise Anfang der 90-iger Jahre in Köln auf einem Konzert gelandet; es hat aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Also, was war denn jetzt geschehen? Ich erinnere mich noch an ein Bild, als die Nachricht von seinem Tod in New York am Time Sqaure in Leuchtbuchstaben aufflackerte und ein junger Mann entsetzt schrie: „Michael Jackson is dead”, sich auf den Boden warf und völlig verzweifelt war. So ähnlich fühlte ich mich auch, aber warum nur? Jeden Tag sterben Menschen, auch Prominente, aber es scheint so, als wenn der Tod einiger weniger Menschen mehr erschüttern als andere, dazu gehören u.a. Elvis Presley, Lady Di, John F. Kennedy, Marilyn Monroe und für mich auch James Dean. Aber kein anderer Tod hat mich so getroffen wie der von Michael Jackson.
Wenn ich an Michael Jackson denke, fallen mir folgende Dinge ein: genialer Künstler, tragische Figur, Einsamkeit und Familie. Schon in dem Interview mit Oprah Winfrey sprach er davon: „ich war immer traurig. Ich habe immer geweint aus lauter Einsamkeit.” Begonnen hatte das im Alter von ca. 9 Jahren, also mit dem Beginn seiner erfolgreichen Karriere und danach hat er innerhalb von 15 Jahren alle Rekorde gebrochen, die zu brechen sind. Nach dem großen Erfolg von „Thriller” mit 24 Jahren war seine Karriere eigentlich schon vorbei und zu dieser Zeit gab er ein Interview, aus der seine ganze Verzweiflung der nächsten Jahre ersichtlich wird. Er wünschte sich, weiterhin auf der Bühne stehen zu dürfen und erfolgreiche Platinalben zu produzieren. Wenn er das nicht mehr tun könnte, wäre er am Ende. Es hört sich wie eine Vorhersehung an. Was macht ein noch junger Mensch, der für die Musik und Bühne lebt nach einem Erfolg wie Thriller?
In vielen Interviews habe ich ihn als begeisterungsfähigen und manchmal ein wenig naiven jungen Mann erlebt mit einer unglaublichen Strahlkraft, das man sich fragte, wann sie wohl verglühen würde und man wünschte ihm, daß er das nicht alleine durchstehen muss. Er war ein 50-jähriger Mann, der zeit seines Lebens nach seiner eigenen Identität suchte und nicht wusste, ob er weiß oder schwarz, männlich oder weiblich, Kind oder Erwachsener war und in seiner Suche immer wie ein kleiner, hilfloser Junge wirkte. Ihm wird nachgesagt, in geschäftlichen Angelegenheiten sehr clever gewesen zu sein und das zieht viele Neider nach sich. Während die ersten 20 Jahre seines Lebens hauptsächlich von seiner Musik geprägt waren, wurden wir danach nur noch mit skurilen Meldungen überschüttet. Hatte er sich vielleicht Feinde gemacht? Er wurde mit zahlreichen Klagen überhäuft, musste sich gegen Missbrauchsvorwürfe zur wehr setzen (mein Glaube: er war unschuldig) und wurde deshalb von der amerikanischen Gesellschaft gemieden, täglich war er mit Falschmeldungen in der Presse konfrontiert und auch sein selbst erschaffener Rückzugsort „die Neverland-Ranch” diente nicht mehr als Schutz. Das kann schon andere Prominente zerbrechen, aber wie geht eine öffentliche Person wie Michael Jackson damit um?
Je intensiver ich mich mit ihm beschäftige, um so faszinierter zieht er mich an. Ich bin beeindruckt von seiner Stärke und seiner Sturheit, auch in den schlimmsten Zeiten niemals aufgegeben zu haben. Ich erinnere mich an sein Signal an die Welt, als er in allen Punkten 2005 freigesprochen wurde und er mit Siegerfaust auf das Dach eines Autos stieg und damit allen zeigte: „ich bin noch da und ihr werdet noch viel von mir hören. Ich lasse mich nicht unterkriegen.” Das zeigt unglaublich viel Mut und Kampfkraft. Es erinnert etwas an einen Märtyrer, der trotz vieler schmerzhafter Rückschläge immer an seinen Idealen festhält und sich weiter dafür einsetzt. Jeder hat auch noch die Bilder „Michael Jackson in Handschellen” vor Augen und ich war damals von dem Anblick geschockt. Er hatte sich freiwillig gestellt und ich fragte mich, warum zu solch drastischen Mitteln gegriffen wurde. Sollte hier ein Exempel statuiert werden? Solche Bilder bleiben den Menschen in Erinnerung.
Er hat sich nach seinen großen Erfolgen lange Auszeiten gegönnt, in denen er auftankte, aber tauchte auch immer wieder auf, um weiter an seinen Lebenszielen zu arbeiten. Er glaubte an Gerechtigkeit und war ausgestattet mit hohen moralischen Werten, die vielen Menschen fremd sind und vielleicht auch Angst machen, aber er hat sich davon nicht abbringen lassen. Ausserdem glaubte er an die Kraft der Liebe unter den Menschen und wollte sie wie ein König in seinem Reich verbreiten (Rede in England 2002).
Nach einer langen Auszeit auf seiner Neverland-Ranch und mit der Erziehung seiner Kinder beschäftigt, wurde das Jahr 2005 zu seinem Schicksalsjahr. Die erneuten Vorwürfe der Kindesmisshandlung scheinen ihn letztendlich gebrochen zu haben; davon hat er sich niemals wieder erholt.
Die letzten zwei Jahre war er zum Nomaden geworden; es war eine Flucht vor sich selbst und der Presse auf der Suche nach seinem inneren Gleichgewicht. Würde das nicht viele Menschen zerbrechen lassen? Ob er nun zum Schluß an Realitätsverlust gelitten hat, kann nur vermutet werden, sicher ist, daß er seit Jahren an Versagensängsten litt und deshalb Medikamente zu sich nahm.
Hier könnte man kritisch einwenden, daß er sich therapeutische Hilfe hätte holen können, aber diese Möglichkeit der Heilung sah er offensichtlich für sich nicht. Er soll sich einige Male Entziehungskuren unterzogen haben (1993 sprach er in seiner Dankesrede von einem Reinigungsprozess, den er hinter sich hat), aber es hatte keine langfristige Heilung zur Folge.
In solch schweren Zeiten ist die emotionale Unterstützung von Familie und Freunden wichtig. Seine Eltern und Geschwister waren während des Prozesses immer an seiner Seite, haben ihn begleitet und doch glaube ich daran, daß der Bruch zu seiner Familie schon vor Jahren so stark gewesen ist, daß sich Michael emotional schon lange vorher distanziert hatte. Nur zu seiner Mutter und vielleicht zu seiner Schwester Janet hatte er eine innere Verbindung. Seine wirklich engste Vertraute sehe ich in den letzten Jahren in Elizabeth Taylor, aber auch sie konnte Michael nicht vor seinem Absturz retten.
Da Michael Jackson auch Teil einer Familie war (er hatte 5 Brüder, drei Schwestern, drei eigene Kinder und unendlich viele Nichten und Neffen), kann sein Beispiel dazu dienen, Zusammenhänge innerhalb einer Gemeinschaft zu verdeutlichen. Seine
Schwester Janet sprach in einem Interview davon, daß die Familie die engste und wichtigste Verbindung ist, die Menschen eingehen können und in Familien werden Persönlichkeiten geformt oder zerstört. Es wird die Grundlage für ein glückliches oder tragisches Leben gelegt und da die Jackson Familie ein Teil der Öffentlichkeit war und sich dieser auch bewusst aussetzte, dienen sie der Auseinandersetzung mit vielen gesellschaftlichen Themen und familiären Problemen.
Sie werden auf dieser Seite keine tagtäglichen Nachrichten über Michael Jackson oder seine Familie erhalten, sondern mein Anliegen ist die kritische Auseinandersetzung mit einer Familie, die öffentlich gelebt hat und dadurch zur Zielscheibe von vielen Anfeindungen wurde; sie spiegelt aber auch die Zerrissenheit wider und die ständigen Bemühungen, der Öffentlichkeit eine harmonische Familie präsentieren zu wollen und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Viele dieser Themen kennen wir auch aus nicht prominenten Familien: Geschwisterliebe, Geschwisterhaß, Neid, Missgunst, Erfolgsdruck, Schuldgefühle, Abgrenzung, aber auch Liebe und Zusammenhalt.
Interviews:
RTL 2 Interview, 1977 – man spürt die Begeisterung für Musik und seinen Wunsch, Menschen zu berühren
Interview 1983 im Hauses seiner Eltern - einfach bezaubernd, Thema: die Magie
ET Interview vom 25.02.1983 mit Dixie Whatley – kurz nach der Platinauszeichnung für Thriller
10.02.1993 mit Oprah Winfrey auf der Neverland-Ranch – größtes Fernsehereignis des Jahres
Molly Meldrum Interview 1996 – World History Tour in Brisbane, Australien
Reden:
06.03.2001 Oxford Universität Rede vor Studenten der Oxford Universität – Thema: seine Stiftung “Heal the Kids” und Versöhnung
Am 14. Juni 2002 Exeter hielt Michael Jackson eine Rede im Stadion in Exeter, England über Hoffnung, Liebe und sein Engagement für Kinder, sehr beeindruckend.
Danksagungen für Ehrungen
Grammy Award 1984
Grammy Legend Award 1993 – Wie wird man zur Legende?
Danksagung Legend Award 1993 - überreicht von seiner Schwester Janet

