Interview 1983 – in seinem Haus
Kurz nach seinem großartigen Erfolg von Thriller gibt er im Garten seines Elternhauses ein Interview. Er wirkt sehr schüchtern und erst als LaToya dazukommt, gewinnt er an Stärke und wird teilweise sogar übermütig.
Hallo, das ist mein Lama Louis – ein wirklich sehr süsses und einmaliges Tier. Lamas ernähren sich von Alfalfa. Es stammt aus Südamerika, aus dem Hochland von Peru. Lamas gehören zur Familie der Kamele, genau wie das Alpaka. Und Louis war in einem Zirkus; dort konnten die Kinder auf ihm reiten und er hat weitere Kunststücke gemacht. Hallo Louis, er hat wunderschöne Ohren.
MJ: Haben Sie irgendwelche Fragen?
Soweit ich weiß, hast Du ihn trainiert?
Ich? Nein. Das kann ich gar nicht. Das habe ich nie gelernt. Ehrlich gesagt, ich kenne nicht eins von seinen Kunststücken.
Aber soweit ich weiß, hat er einen Freund?
Ja, Mr. Tibs. Die beiden mögen sich sehr. Aber Louis ist einer meiner Lieblinge. Ich mag sene Augen. Ich hatte noch ein zweites Lama, ein sehr junges. Es hieß Lola. Es war schneeweiß. Leider haben meine Hunde es angegriffen. Ich war sehr traurig, denn es war wunderschön. Jetzt habe ich nur noch Louis und Louis ist sehr süss. Ich mag ihre Augen. Die meisten kennen diese Tiere von Dr. Doolittle und er liebt, vor der Kamera zu stehen und er möchte eines Tages ein Filmstar werden. Sag diesen zauberhaften Menschen „Hallo”, Louis!
Ich muß ihn jetzt ein bisschen bewegen. Wir treffen uns am Springbrunnen.
Es ist schön, hier zu sitzen und sich zu entspannen.
Wie kommst Du mit Deinen vielen Verpflichtungen zurecht?
Ich nehme alles nach und nach in Angriff. Man gewöhnt sich allmählich daran und irgendwann ist es reine Routine. Ich erhalte jeden Morgen einen Terminplan und den halte ich ein. Jeden Morgen heißt es: „mach das und das..” Manchmal möchte ich nur weglaufen, aber man gewöhnt sich daran. Es ist Teil meiner Arbeit. Aber es ist schön, zuhause zu sein und auszuspannen, so wie jetzt.
Was hältst Du von Deinen Fans?
Sie sind sehr wichtig für mich. Als Künstler hat man gelernt, etwas darzustellen, aber ohne die Resonanz des Publikums ist jeder Auftritt nur halb so gut. Auch die Fans sind innovativ, und man kann von ihnen lernen. Können Sie mich hören?
Woher nimmst Du Deine Inspiration und Deine Kraft?
Das kann man schwer erklären. Damit wird man wohl geboren. Das ist wie beim Malen. Man nimmt Pinsel, Farbe und Leinwand und malt einfach los und man wird inspiriert von Dingen, die um einen herum geschehen. Ich liebe es, dann magische Dinge zu schaffen.
Was meinst Du mit „magisch”?
Wenn ich von „Magie” spreche, dann meine ich dieses Gefühl von Erstaunen und Aufregung, dieses unerwartete Loslösen von der Wirklichkeit. Etwas Unglaubliches zu erschaffen, eine Illusion. Ich will die Menschen mit einer Situation konfrontieren, die völlig anders ist, als sie vielleicht erwartet haben. Ich möchte ihr Unterbewusstsein anregen. Das ist diese magische Stimmung, die ich erzeugen möchte. Das ist das Schönste für mich. Ich versuche, das bei allem was ich tue, einzubeziehen.
Woher nimmst Du Deine Ideen?
Die Ideen für meine Songs? Ich habe immer betont, daß ich meine Songs nicht selbst schreibe. Ich empfinde mich nur als Werkzeug oder einfach als Mittel, durch das die Lieder lebendig werden. Irgendwo im All sind Beat it und alle Songs schon längst geschrieben. „BillyJean” , „Beat it” und alle die anderen Songs. Sie sind mir einfach nur eingegeben worden. Ich habe nur getan, was ich tun musste. Mehr nicht. So geht es wohl jedem Künstler. Eine höhere Macht lässt es dich tun.
Kinder inspirieren Dich sehr, oder?
Ja, woher wissen Sie das? Ich halte Kinder für etwas ganz besonderes. Drei Dinge beeinflussen mich: Kinder, Tiere und Gott. Ich kann nicht einmal erklären, warum Kinder so einzigartig sind. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, fühle ich erst, daß ich lebe. Dann weiß ich, daß ich alles schaffen kann. Sie geben mir die Kraft, die ich brauche. Ich bin überzeugt, daß mein Erfolg hauptsächlich ihr Verdienst ist. Ich glaube, ich habe noch nie ein Interview im Freien gegeben …inmitten der Bäume und Sträucher, die einen dabei beobachten.
Warum lebst Du so abgeschieden und warum in einem so großen Haus?
Ich mag das Haus besonders wegen seiner Wirkung. Es inspiriert mich. Speziell wenn ich beobachte, wie Kinder darauf reagieren. Sie finden es einfach toll. Deshalb bin ich auch so oft in Disneyland. Dort haben die Kinder immer Spaß. Für mich ist das wie eine tägliche Dosis an Inspiration. Wenn ich dann zurückkomme, bin ich bereit, alles zu meistern. Kinder sind einfach wunderbar, ihre Augen, ihre Gesichter, ihr ganzes Verhalten. Wir arbeiten gerade an einem neuen Album. Ich habe dafür ein paar Songs geschrieben.
Zuletzt habe ich an einem Lied über den Westernhelfen Buffalo Bill und seinen Tod gearbeitet. Der Song begeistert mich total und er wird sicher ein Hit. Gerade schreibe ich an einem Lied über ein Mädchen aus Liberia und bin wieder hellauf begeistert. Mich begeistern alle meine Projekte, aber am liebsten träume ich nur, wünsche mir was bei Sternschnuppen und so was…
Denkst Du oft an Magie?
Ja, ständig. Tun wir hier nichts Magisches? Laßt uns nach hinten ins Licht gehen.
Warum sagt ihr nicht, daß ihr schon filmt? Ich bin gleich unten. Wartet eine Sekunde.
Meine Güte, die Dämmerung ist die schönste Zeit des Tages. Der Mond kommt hervor … ich kann schon ein paar Sterne sehen. Alles wird lebendig. Leuchtkäfer sind in den Bäumen. Ich liebe diese Stunden am Morgen und am Abend. Überall spürt man diese magische Aura. Ich würde sagen, es ist der bevorzugste Teil des Tages. Alle Kreaturen, die die Nacht lieben, werden lebendig. Die Vögel kehren in ihre Nester zurück. Ich liebe auch den Tagesanbruch. Einige Psychologen sagen, daß man während der Abenddämmerung besonders kreativ ist. Man erreicht dann unterbewußt seinen Alphazustand. Was man tagsüber alles erlebt hat, wird einem dann so richtig bewusst. Ich liebe es, kreativ zu sein. Wann ich das tue, ist dabei weniger wichtig. Aber ich genieße das Magische dieser Stunden wie ein schönes Bild. Einfach nur dasitzen und entspannen. Das Rauschen des Springbrunnens hört sich wunderbar an.
Wenn ich hier das ganze Haus so betrachte, frage ich mich, was für ein Film sich wohl in Deinem Kopf abspielt.
Alle kreative Arbeit wird vom Unterbewusstsein beeinflusst. Ich liebe das Phantastische und alles, was mich in eine andere Welt bringt, das mag ich. Die Wirklichkeit um mich herum interessiert mich weniger. Das Phantastische reizt mich mehr.
(Er beginnt zu singen).
Meine Arbeit gibt mir Gelegenheit, solch neuen Erfahrungen zu machen. Es ist schwer, diesen Zustand zu beschreiben. Es ist einfach magisch. Ich könnte dann aufspringen, schreien und einfach abheben. Aber dann denke ich zu lange darüber nach und lasse es lieber. Aber man kann überall die Energie spüren.. überall, im Mond, an den Pflanzen… überall um Dich herum. Einfach wunderbar. Die Natur in ihrer Vielfalt inspiriert meine Arbeit sehr. Mit ihr und mit den Kindern beschäftige ich mich besonders. Sie bringen mich auf die Ideen für meine Arbeit. Besser kann ich es nicht erklären. Der Hauptteil meines Erfolges stammt aus diesen Quellen. Manchmal fordert man mich auf: „Erklär das mal genauer!” – aber das kann ich einfach nicht. Es ist, als wenn alles zusammenkommt – das ganze Leben. Ich glaube, alle Künstler haben das schon einmal erlebt. Egal ob Maler oder Bildhauer… Wenn alles zusammenkommt. Das ist das Magische. Ich sollte meine Schwester holen. Wir könnten dann ein bisschen Quatsch machen und reden. Dann kann auch sie von ihren magischen Erfahrungen erzählen.
(jetzt mit LaToya Jackson, seiner Schwester)
MJ: Ist was an meiner Lippe?
LaToya: Ja, hier und zeigt auf seine Lippe, aber ich weiß nicht, was es ist. Jetzt ist es weg.
MJ: Egal. Ich habe gerade vom Zauber der Dämmerung gesprochen. „Halt den Mund, du dickköpfiges Monster!” (sagt er zu jemandem). „Was inspiriert Dich eigentlich?”
LaToya: Meinst Du musikalisch?
MJ: Egal, auch ganz allgemein. Was macht Dich glücklich?
LaToya: Das Geräusch des Ozeans. Ich mag das Meer. Das beeinflusst mich musikalisch. Im Rauschen des Meeres, im Donnern der Wellen spüre ich Gott.
MJ: Davon sprach ich vorhin auch.
LaToya: Wirklich? Mach keine Witze.
MJ: Was ist das Wichtigste, was Du in Deiner Zukunft tun möchtest? Was ist Dein größtes Ziel, das Du erreichen möchtest?
LaToya: Ich will Künstlerin werden, so vielseitig wie Barbara Streisand oder Diana Ross. Die beiden gehören zu den wenigen Künstlern, die Musik und Schauspielerei wirklich kombiniert haben.
Michael: Ja, das ist wahr.
LaToya: Jeder will natürlich das erreichen, was Du geschafft hast. Auch ich.
Michael: Aber ich habe nichts getan. Ich habe gerade erst begonnen, gerade angefangen.
LaToya: Es ist kalt, Michael.
Michael: Wie kannst Du in solch einer magischen Nacht davon reden, daß es kalt ist? Dir ist doch nicht wirklich kalt, oder?
LaToya: Doch, ich glaube, es ist wegen des Springbrunnens.
Michael: Es ist wunderbar hier draußen.
LaToya: Sieht der Springbrunnen nicht süß aus?
M: Es war eine gute Idee, heute Nacht hier draußen zu sitzen. Ich werde noch lange daran denken. Was willst Du uns noch erzählen? Willst Du über Deine Träume reden?
L: Über alle meine Träume? Nein. Ach so. Ich dachte einen Moment, Du meinst meine Albträume.
M: Meine Schwester ist eine Idiotin.
L: Das habe ich von ihm.
M: Erzähl von Deinen anderen Träumen.
L: Mein größter Traum ist, es einmal so weit zu bringen wie Du.
M: Das hat sie schon einmal gesagt. Was habe ich denn schon getan?
L: Mehr als Du denkst. Jeder Künstler würde gerne mit Dir tauschen. Von Anfang an wollte ich so werden wie Du.
M: Sehr schmeichelhaft, danke. Aber es muß doch noch mehr geben…
L: Natürlich. Ich möchte zum Beispiel gerne filmen.
M: ich mag nämlich nicht, wenn man sich selbst beschränkt. Wir haben beide sehr viel gemeinsam.
L: Das hier erinnert mich an Paris.. der Springbrunnen, die Lichter… ich liebe Paris. Es ist meine Lieblingsstadt.
M: fragt jemand anderen: Und wo waren Sie schon?
Die Fremde: ich bin auf Kuba geboren. Aber ich war auch schon mal in Deutschland.
L: Ich liebe Deutschland.
Die Fremde: Und ich komme aus Indien.
M: Was sagt sie? Indianerin oder Inderin? Ach so, aus Indien. Das gefällt mir. Ich mag Indien sehr gerne. Das ist mein Volk.
Reporter: Was meinst Du mit „mein Volk?
M: Ich meine, daß ich sie besonders mag.
Reporter: Die Araber?
M: Nein, die Inder. Je dunkler ihre Haut ist, desto schöner sind sie.
L: Phil, mach doch bitte die Türe zu.
M: Du hast ein interessantes Organ.
L: Ich weiß, deshalb schreie ich auch nicht gerne.
M: Ich glaube, wir haben hier einen magischen Moment erlebt. Jetzt sollten wir aber langsam Schluß machen. Wollen wir noch schnell ein kleines Lied singen?
L: Okay, was wollen wir singen?
M: Nein, nicht „Jingle Bells”. Wie wäre es mit „I never can say goodbye”.
(LaToya findet den Ton nicht und sagt deshalb): Schrecklich, ich kann nicht einmal den Text.
M: War’s das? Ich mag es, wenn man mich filmt, nicht weil ich eingebildet bin, sondern wegen der magischen Aura, die dann entsteht.
(Michael ist gegangen)
L: Für die, die mich nicht kennen, ich bin LaToya. Ich stamme aus einer großen Familie mit zwei Schwestern und sechs Brüdern. Früher habe ich immer meinen Brüdern beim Proben zugesehen. Damals konnte noch niemand ahnen, daß aus ihnen mal die berühmten „Jackson Five” werden würden. Ich hätte nie daran gedacht, daß ich einmal zu ihnen gehören könnte. Ich wollte damit nie etwas zu tun haben, ich wollte nie Musik machen. Andauernd musste ich zusehen, wie mein Vater sie zum Üben gezwungen haben; immer wieder dasselbe. Ich wollte das nicht. Aber als ich dann 16 oder 17 war, ist es doch passiert. Ich stand auch der Bühne und habe jeden Augenblick genossen. Jetzt arbeite ich auch hart daran, Erfolg zu haben. Ich habe mir früher immer gewünscht, einmal die Beatles zu treffen, weil sie so berühmt waren und dann hat Michael mit Paul McCartney ein Video gedreht. Sie hatten nämlich einen Song zusammen geschrieben und bevor ich es glauben konnte, haben wir alle an dem Video zu „Say, say, say” mitgearbeitet. Paul und seine Familie sind wunderbare Menschen. Wir haben uns gleich verstanden. Das Video dreht wir in Los Angeles. Die Dreharbeiten haben eine Woche gedauert. Ich hatte vier Drehtage und fand die Arbeit einfach großartig. Alles war sehr unkompliziert; ich habe jede Minute genossen. Früher habe ich immer davon geträumt, einmal Paul McCartney zu treffen und jetzt habe ich sogar mit ihm zusammengearbeitet. Ich hoffe, daß ich auch in der Zukunft mit ihm und anderen arbeiten werde.

